Der weststeirische Schilcher

hat seinen eigenen, unverwechselbaren Charakter und wie kaum eine Weinsorte vermag er, sich seine Freunde auszusuchen. Probiert man ihn erstmalig, kommt man nicht umhin, zu polarisieren. Entweder man liebt ihn oder man empfindet ihn als nicht trinkbar. Sein hoher Säuregehalt zaubert Unvorbereiteten bizarre Audrücke ins Gesicht und es braucht schon mehr als einen Probeschluck, um in die eigentümliche Geschmackswelt des Schilchers einzutauchen. Aber nach mehreren Gläsern soll sich der eine oder andere schon hoffnungslos in diesen Tropfen verliebt haben. Freunde von bodenständigen, naturnahen Weinen mit Ecken und Kanten schätzen die burschikose Art des Schilchers. Deshalb ist der Rosé mit der besonderen Note schon fast ein „must have“ in vielen Weinregalen.

Weststeirischer Schilcher

Die blaue Wildbacher Traube,

eine autochthone Rebsorte, gedeiht nachweislich seit der Keltenzeit auf weststeirischem, ausdrucksstartem Boden aus Gneis und Schiefer. Der echte Roséwein (kein Saftauszug aus Rotweinen) ist seit 1842 als Schilcher klassifiziert und nur Weine aus dieser Region, gepresst aus der Blauen Wildbacher, dürfen sich Schilcher nennen. Das kleine Anbaugebiet mit etwa 500 Hektar Rebfläche zieht sich von den Ausläufern der Koralpe und des Reinischkogels nach Süden bis hin zur slowenischen Grenze. Auf etwa 500 Meter Seehöhe bieten sich malerische Panorama-Blicke mit tiefen Tälern und steilen Hängen von Ligist bis nach Wies. Zwiebelschalenfärbige bis rubinrote Farbspiele sind dem Schilcher je nach Ausbau eigen und sein fruchtig, frisches Aroma mit hohem Säureanteil und einzigartigem Bouquet entwickelt er nach sehr später Ernte im Oktober.
Hervorragend passt der Schilcher zu deftigen Speisen wie einem Verhackert- oder Schmalzbrot. Von den Weststeirern wird er aber auch gern gespritzt als Erfrischungsgetränk konsumiert.

„Du zwiebelfarbner Schilcherwein,
du gibst dem Schwachen Kräfte ein,
rollst feurig durch die Glieder
und wirfst den Stärksten nieder.
Machst butterweich die Spröden,
bringst Stumme bald zum Reden,
machst jünglingsfroh die Alten
und liebestoll die Kalten.“

Die Rabiatperle

Vielfach sind die Auswirkungen, die der Schilcher auf den Gemütszustand der Menschen haben kann, glaubt man dem Volksmund. Erzählungen, wie viele handfeste Wirtshausraufereien einzig und allein auf die Rabiatperle zurückzuführen seien, kursieren jedenfalls zuhauf. Wahrscheinlich liegt schon auch ein Fünkchen Wahrheit darin verborgen.
Angeblich machte Papst Pius VI. 1782 auf seiner Reise nach Wien im Franziskanerkloster Maria Lankowitz Bekanntschaft mit dem Schilcher. Da ihm und seinem Gaumen Südweine wohl eher vertraut waren, soll er in seinem Tagebuch geschrieben haben:
„Sie haben uns einen rosaroten Essig vorgesetzt, den sie Schilcher nannten.“

Der weststeirische Schilcher

findet immer mehr Liebhaber weit über die steirischen und österreichischen Landesgrenzen hinaus. Wobei die Verarbeitung zu Schilchersturm, Schilchergrappa, Schilcher-Sekt oder Schilcher-Gelee nicht unmaßgeblich daran beteiligt sind, dass immer mehr Menschen den Geschmack und die Eigenheiten dieser schillernden Weinsorte schätzen lernen.
Seine charakterlichen Eigenheiten verschaffen dem Schilcher wohl eine besondere Verbindung zu seinen Freunden. Man redet als Schilcherkenner nicht großartig darüber, wohl aus Angst davor, belächelt oder gar als Banause abgetan zu werden. Das ändert aber nichts an der Innigkeit dieser Bindung zwischen Wein und Weintrinker. Feuer und Flamme sind sie, die Schilcherfreunde für ihren Wein, der sich wirklich abhebt von dem, was einem sonst so als Ausnahmewein kredenzt wird. Einen Versuch zu einer neuen Liebe sollte man also durchaus wagen.