Das steirische Kürbiskernöl

hinterlässt mit seinem einzigartigen Charakter unauslöschliche und nicht vergleichbare Eindrücke.
Die sandig-lehmigen Böden der südwestlichen Steiermark sind, unterstützt durch sonniges und mildes Klima, eine wichtige Voraussetzung für ein einzigartiges Produkt. Das steirische Kürbiskernöl wird aus den Kernen des Steirischen Ölkürbis gewonnen. Diese Sorte unterscheidet sich von anderen Kürbisarten insofern, dass ihre Samenkerne nicht durch eine verholzende Samenschale umgeben, sondern durch ein dünnes Silberhäutchen geschützt werden. Die weiche Beschaffenheit der Kerne ermöglicht die ergiebige Pressung. Bereits um 1700 wurde Kürbiskernöl gewonnen. Seine Verbreitung fand es um 1870 nach der Züchtung der nacktschaligen Variante. War diese Köstlichkeit lange Zeit auch innerhalb Österreichs nur in der südlichen Steiermark bekannt und geschätzt, kann ihren Siegeszug in die Küchen mittlerweile niemand mehr aufhalten.

Das nussige, hocharomatische Öl findet hauptsächlich bei der Zubereitung von Salaten seine Bestimmung. Der intensive Eigengeschmack bringt seine besondere Note und Vielseitigkeit aber mittlerweile sogar bei Desserts zur Geltung. Zwar ist das steirische Kürbiskernöl nicht zum Braten oder Frittieren geeignet (bei zu starkem Erhitzen wird ein unangenehmer Geruch freigesetzt und wertvolle Inhaltsstoffe gehen verloren), als Highlight bei warmen Gerichten ist es jedenfalls trefflich einzusetzen. Besonders schmackhaft ist es in einer Liaison mit pikanten Gerichten ebenso wie als wichtige Komponente bei bodenständigen Rezepten. Wer beispielsweise einmal die deftige Kürbiskernöleierspeise gekostet hat, vergisst diesen Geschmack sein Leben nicht mehr. Tief verankert ist das grüne Öl in der Hausmannskost. Saures Rindfleisch, Sülze, verschiedene Nockerl oder Polentagerichte ohne die besondere Note des Kernöls sind in vielen steirischen Haushalten nahezu undenkbar. Ebenso verwendet man es als Geschmacksträger bei diversen Aufstrichen oder als Marinade für Frischkäsevariationen.

Schon der Zeitpunkt der Ernte verlangt dem Kürbisbauern das richtige Feingefühl ab. Je länger der Kürbis nämlich auf dem Acker verbleibt, umso gehaltvoller gerät das Öl. Versäumt man den richtigen Zeitpunkt, können die Kerne aber zu faulen beginnen. Die Kürbiskernernte erfolgt maschinell und in kleineren Betrieben sogar heute noch händisch. Dabei werden die Kerne vom Fruchtfleisch gelöst, anschließend gewaschen und bei etwa 50 Grad Celsius getrocknet. Die Kerne sind gut lagerfähig und dadurch je nach Bedarf der eigentlichen Produktion zuzuführen. Die Kerne werden vorgeröstet, gekühlt und abermals mit Wasser und Salz vermengt geröstet, sodass das Wasser wieder verdunstet. Der verbliebene Brei wird danach warm gepresst. Das dabei gewonnene Öl muss danach noch einige Tage ruhig stehen, damit sich Schwebstoffe absetzen können. Bei all diesen Vorgängen tragen die Erfahrungswerte und das notwendige Gefühl des Ölbauern wesentlich zur Qualität des Endproduktes bei. Ein besonderes Erlebnis ist es, den Pressvorgang beim Ölbauern seines Vertrauens ansehen zu können und mit einer anschließenden Verkostung seinen Gaumen für das wohlschmeckende Öl zu sensibilisieren. Es ist durchaus üblich, dass die Hersteller dieser Region auch zum Schaupressen einladen. Manch einer hat sogar noch eine „Steirische Ölkuh“ (eine massive Pressanlage aus Holz), mit der das Öl mit Muskelkraft ausgeschlagen wird, in Verwendung.

Dunkelgrün mit rötlichem Schimmer ist das Steirische Kürbiskernöl ein Original und wie kein anderes Lebensmittel mit dieser Region verbunden. Ein naturbelassenes Öl ohne Beimengung von Fremdölen und ohne jegliche Farb-, Aroma- oder Konservierungsstoffe. Seine wertvollen Inhaltsstoffe machen das Kernöl auch aus gesundheitlichen Aspekten zu einem interessanten Nahrungsmittel. Als regionale Spezialität tritt es unter dem Namen „Steirisches Kürbiskernöl g.g.A“ (geschützte geographische Angabe) seinen Siegeszug nicht nur in Österreichs Küchen an. Und wer es noch nicht kennengelernt hat, tut gut daran, es zu versuchen.